Unternehmungen
Motto: Nichts für Stubenhocker/innen
Sehr geehrte Eltern, liebe Schüler/innen !
Die herrlichen Erlebnisse, die die Fahrt "Adventure 1999" allen Teilnehmer/inne/n ermöglicht hat, ermutigt mich, auch in den kommenden Pfingstferien eine erlebnispädagogisch orientierte "Freizeit" anzubieten.
Diesmal geht es vom 10. Juni bis zum 14. Juni 2000 mit dem Internatsbus nach Kroatien.
Im Mittelpunkt stehen Wandern, Biken und Klettern in der attraktivsten
Landschaft des Landes. Die Naturwunder der Plitvicer Seenplatte zu erwandern,
mit dem Mountainbike die Insel Pag zu erkunden, in den wilden Schluchten
des Velebit zu klettern - dies ist jeweils allein schon ein
Abenteuer.
Aber auch das Leben in der Gruppe wird jeden Teilnehmer fordern und
herausfordern, aber auch fördern. Letztendlich hängt es von eurem
Engagement und eurer Bereitschaft ab, wieviel jeder von diesem Abenteuer
für sich mitnimmt.
Die Kosten werden ca. 800.-- DM betragen, wobei dies eher ein Höchstbetrag
ist, in dem die Kosten für Fahrt, Vollverpflegung und sämtliche
Eintritte enthalten sind.
Das Mindestalter für die Teilnahme ist 14 Jahre. Räder können
gestellt werden, einzig ein Zelt muss jeder Teilnehmer selbst mitbringen.
Willi Wiebel, Erzieher/Bergführer
Erlebnis oder Abenteuer ?
Am Montag, den 24.05.1999, um 2.00 Uhr startete eine Gruppe des Landschulheims
Marquartstein eine Reise ganz besonderer Art. Ziel war, Teile der griechischen
Insel Kreta zu.Fuß zu erkunden.
Von München flogen wir zunächst nach Iraklion. Ein
öffentlicher Bus brachte uns nach Agia Deka. Das letzte Stück
legten wir auf dem Pick-up eines österreichischen Busführers
und dessen Freund zurück. Unser Weg führte uns auf steinigen,
staubigen Passstrassen hinauf in das kleine Bergdorf Kapetaniana.
Der freundlichen Begrüßung durch die Hüttenbesitzer,
Luisa und Gunnar, folgte die Einquartierung. Nach einer erfrischenden Dusche
und ersten neugierigen Erkundungen in dem kleinen Bergdorf wurden wir mit
einem hervorragenden Abendessen verwöhnt.
Herr Wiebel, unser Reiseleiter, Organisator und Bergführer dieser
Reise, nutzte die ersten beiden Tage unsere Ausdauer, Kletterkünste
und Fitnes zu ertesten.
Unser erstes Ziel war der Gipfel des 1231 m hohen Kofinas. Hier wurden
wir beim Abstieg von Hagelischauern überrascht. Des weiteren waren
unsere Kletterkünste ohne Seil und Haken gefragt, während wir
am 2. Tag gegen Hitze und Durst und einer nie endenden Etappe zum Kloster
Kondouma (am Meer gelegen) ankämpften.
Die
Etappen der folgenden Tage übertrafen sich täglich an Erlebnissen
und Eindrücken. Nur selten nutzten wir Straßen.
Auf zum Teil nur schwer erkennbaren alten Hirtenpfaden erwanderten
wir die unterschiedlichsten Landschaften. Entlang der bizarren Steilküsten
mit Blick zum blauen Meer oder dem in weiter Ferne liegenden Ziel.
Vorbei an minoischen Kultstätten, Kapellen und verlassenen Dörfern,
durch Schluchten, welche eine Vielfalt von Pflanzen, Düften, Farben
und Gesteinsarten unterschiedlichsten Charakters boten.
Über
eine Hochebene, der eine karge Mondlandschaft folgte, bestiegen wir den
Kastro (2218 m). Auch hier wieder seltene Pflanzen, karge vom Wind geprägte
Bäume, Geröll, Schneefelder und jede Menge Bergkristalle. Die
Stille und Unendlichkeit einerseits, die Herausforderung, Konzentration
bis hin zu totaler Erschöpfung waren ein Erlebnis, das schwer zu übertreffen
schien.
Hin und wieder verschafften wir uns Erleichterung und schöpften
neue Kräfte, indem wir Bus oder Schiff für Teilstrecken einzelner
Etappen nutzten. Dann, aber auch nur dann, waren wir mit dem zivilisierten
Alltag der Landesbevölkerung konfrontiert. Kleine beschauliche Fischerdörfer
wie Lentas oder Lutro, oder aber vom Tourismus geprägte Hafenorte,
wie Hora Sfakion, sorgten für etwas Abwechslung. Zwischendurch machten
wir immer wieder kleinere Wanderungen in abgelegene Schluchten oder in
fast zerfallene Bergdöfer. Wir begegneten gefräßigen Ziegen,
Hirten, welche ihre Ziegenherde vom Auto aus in Zaum hielten und Hunden,
die mit Vorsicht zu genießen waren.
Einige
bervorzugten einen Badetag verbunden mit einem Marsch zum "Sweet Water
Beach'.
Eine weitere Etappe führte uns zum "Marmora Beach" zwischen Lutro
und Agia Roumeli. Hier wurden wir am Abend mit köstlichen ortsüblichen
Speisen in einer kleinen Taverne (Tische nur im Freien) oberhalb der Bucht
verwöhnt. Die Übernachtung unter sternenklarem Himmel sowie ein
Mondaufgang, wie er schöner nicht sein konnte, hinterließen
bei jedem von uns unvergessliche Eindrücke.
Weiter ging es zu Fuß nach Agia Roumeli. Ein kleines, vom Tourismus
geprägtes Hafenstädtchen, welches täglich von Hunderten
von Touristen nach der Rückkehr mit dem Schiff aus der"Samaria Schlucht"
belagert wurde. Wir erwanderten diese in entgegengesetzter Richtung und
waren, bis wir auf den ersten Touristenstrom stießen, verzaubert
von der bizarren Schönheit und Pflanzenvielfalt in der Samaria Schlucht.
Höhepunkt unserer Reise war die sogenannte Königsetappe.
Hier nun wurden Nerven, Ausdauer und Kompromissbereitschaft jedes
Einzelnen auf die Zerreissprobe gestellt. Jeder musste seine letzten Reserven
mobilisieren. Zwei Tage in der wilden Natur, Wasserreserven gehen zu Ende,
die vielen Kurven und Buchten scheinen nicht zu enden. Heiße, sehr
heiße Strandstücke müssen überquert werden. Wieder
müssen wir, wie so oft, einen Hügel ersteigen, um dann wieder
hinab zu der von uns lange herbeigesehnten Übemachtungsstelle zu gelangen.
Dieses
Mal war es ein steiniger Strandplatz mit einer Zisterne. Baden, Feuerholzsammeln,
Lagerfeuer, Filterung des Zisternenwassers, Brotzeit und dann endlich schlafen.
Am nächsten Morgen, um 5.30 Uhr, Weitermarsch zum besten Frühstück
auf Kretas schönstem Brotzeitplatz (nur zu Fuß erreichbar).
Danach wieder stundenlange Märsche auf sehr steilen und schmalen Pfaden,
und das ganz ohne Schatten. Total erschöpft beendeten wir am 04.06.1999,
gegen 19.00 Uhr in Sougia unser Adventure auf Kreta zu Fuß.
Die restlichen drei Tage verbrachten wir mit Essen, Trinken, Faulenzen,
krähenden Gockeln, Flohbissen, WC-Gestank, Einkäufen und als
kulturellen Abschluss noch ein Besuch im Museum.
Adventure Kreta war für uns alle eine Reise mit vielen prägenden
Eindrücken und Erlebnissen, die Herausforderung jedes Einzelnen, mit
einer gehörigen Portion Selbstvertrauen und Selbstdisziplin Höhen
und Tiefen zu überwinden.
Willi Wiebel, Internatserzieher (21.05.00)
